„Nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „klimaneutral“: Diese Worte begegnen Ihnen überall. Doch viele davon halten einer genaueren Prüfung nicht stand. Greenwashing – das Vortäuschen von Umweltfreundlichkeit – ist weiter verbreitet, als viele denken. Das Gute: Es folgt klaren Mustern. Wenn Sie diese Muster kennen, erkennen Sie Greenwashing schnell – und vermeiden es in Ihrer eigenen Kommunikation.
Seit Februar 2026 hat VERDAI Umweltaussagen aus 473 Projekten und 232 Organisationen strukturiert erfasst und bewertet. Aus diesem echten Datenbestand lassen sich die häufigsten Fehler ablesen – keine Theorie, sondern das, was tatsächlich veröffentlicht wurde.
Fehler 1: Vage Begriffe ohne Inhalt
„Grün“, „natürlich“, „nachhaltig“ – alleinstehend sagen diese Wörter nichts aus. Ein Claim braucht Substanz: was genau, in welchem Umfang, bezogen auf welche Prozesse? Vage Formulierungen gehören zu den häufigsten Risikofällen im Datenbestand. Die Lösung: konkret benennen, worauf sich die Aussage bezieht.
Fehler 2: Superlative ohne Beleg
„Die nachhaltigste Destination“, „100 % grün“, „komplett klimaneutral“: Superlative und pauschale Versprechen signalisieren Vertrauen, brauchen aber harte Zahlen. Ohne nachvollziehbare Nachweise bleiben sie unbelegte Behauptungen. Faustregel: Je stärker das Versprechen, desto stärker der Beleg.
Fehler 3: Der Graubereich wird unterschätzt
Knapp vier von zehn erfassten Aussagen im VERDAI-Datenbestand sind keine eindeutigen Umweltversprechen, sondern Grenzfälle: atmosphärische Formulierungen, Bildsprache in Textform, weiche Andeutungen. Genau dort entsteht Risiko, weil niemand sie für belegpflichtig hält – dabei gelten die Regeln dort genauso.
Fehler 4: Kleine Auswahl, große Aussage
Ein einzelnes grünes Detail wird zum Beleg für die gesamte Organisation gemacht. „Unser neues Hotel ist aus Holz gebaut“ wird zum „wir sind nachhaltig“. Die Verbindung zwischen Einzelmaßnahme und Gesamtaussage muss nachvollziehbar bleiben – oder die Aussage wird präzisiert.
Fehler 5: Zukunft wird als Gegenwart verkauft
„Wir werden 2030 klimaneutral sein“ – ein Ziel, nicht ein Zustand. Wer Ziele als erreichte Fakten kommuniziert, erzeugt Missverständnisse. Ehrlicher: klar trennen zwischen dem, was heute gilt, und dem, was angestrebt wird.
Fehler 6: Nachweise fehlen oder sind veraltet
Ein Claim ist nur so stark wie sein Nachweis. Fehlende Quellen, veraltete Zahlen oder schwer auffindbare Belege schwächen jede Aussage. Nachweise müssen aktuell, konkret und leicht prüfbar sein – idealerweise direkt verlinkt.
Fehler 7: Irrelevanz
Eine Aussage mag stimmen, aber nichts mit der tatsächlichen Umweltwirkung des Produkts zu tun haben. Beispiel: Einem emissionsintensiven Produkt „recycelte Verpackung“ als Hauptargument voranzustellen. Der Claim muss zum Produkt und zu seiner größten Wirkung passen.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht aus dem schönsten Wort, sondern aus dem saubersten Nachweis.
Diese sieben Muster helfen Ihnen, Ihre eigene Kommunikation ehrlich zu halten – und die von anderen kritischer zu lesen. Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Website abschneidet, prüfen Sie sie mit dem gleichen Rahmen, aus dem diese Erkenntnisse stammen.
Quellen
- VERDAI Insights Report (Stand 07.08.2026): Datenbestand aus 473 Projekten und 232 Organisationen.
- Richtlinie (EU) 2024/825 – Empowering Consumers for the Green Transition.

Über den Autor
Marco Giraldo · Gründer VERDAI
Marco Giraldo ist Gründer von VERDAI und setzt sich für transparente und glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation ein. Mit über 15 Jahren Erfahrung in Nachhaltigkeitsberatung und Zertifizierung hilft er Unternehmen, ihre grünen Versprechen authentisch und nachvollziehbar zu gestalten.
VERDAI ist ein unabhängiges Orientierungswerkzeug. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.


